„Des hod scho da Mühlhiasl gsogt“ – Was ist dran an den Prophezeiungen?

Hengersberg Pfarrverband am 27.03.2023

(K)ein Grund zur Sorge?!
Ein Vortrag über eine pessimistische Weltsicht und die Schönheit der biblischen Prophetie

Pfarr­ge­mein­de­rat Hen­gers­berg und Katho­li­sche Erwach­se­nen­bil­dung luden ver­gan­ge­nen Mitt­woch zum Vor­trag ​‚Des hod scho da Mühl­hi­asl gsogt‘ ein. Anhand der all­ge­mein gut bekann­ten Tex­te erläu­ter­te der Refe­rent Bern­hard Sutt­ner aus Wind­berg die The­men Zukunfts­schau, Hell­se­he­rei, Wahr­sa­ge­rei und Pro­phe­zei­un­gen. Dabei war es Herrn Sutt­ner ein Anlie­gen, Ängs­te vor den unheil­ver­kün­den­den Vor­her­sa­gen abzu­bau­en und vor Miss­brauch der­sel­ben zu war­nen. 58 Zuhö­rer ver­folg­ten sehr inter­es­siert die — als Denk­an­stö­ße gedach­ten — Aus­füh­run­gen des Referenten.

Dass es die Per­son des Mühl­hi­asl tat­säch­lich gege­ben hat, ist nicht zu bele­gen. Der ver­mut­lich 1753 in Hun­der­dorf bei Strau­bing gebo­re­ne Mat­thä­us Lang sei es gewe­sen, mei­nen man­che. Ande­re ver­or­ten den ​‚Wald­pro­phe­ten’ im Raum Zwie­sel. Bewei­se für sein Leben gibt es nicht. Die münd­lich über­lie­fer­ten und von Pfar­rer Lands­tor­fer gesam­mel­ten Pro­phe­zei­un­gen wur­den erst­mals 1923 vom Strau­bin­ger Tag­blatt ver­öf­fent­licht. Dies fiel in die Zeit der gro­ßen Welt­wirt­schafts­kri­se nach dem ers­ten Welt­krieg und nähr­te die dama­li­ge pes­si­mis­ti­sche Stimmung.

Der Refe­rent (und mit ihm auch ande­re) nei­gen fol­gen­der Deu­tung zur Ent­ste­hung der Pro­phe­zei­un­gen zu:

Im ein­fa­chen Volk ver­brei­tet sich im 19. Jahr­hun­dert viel­fach Zukunfts­pes­si­mis­mus auf­grund ver­schie­de­ner ver­stö­ren­der Ereig­nis­se in der Welt. So ist das Wald­ster­ben kein Phä­no­men der Neu­zeit. Schon frü­her sah der Hoch­wald aus „‚wia an Bet­tel­mann sein Rock‘. Grund war der immens hohe Holz­ver­brauch durch die Glas­hüt­ten. Die­se und ande­re Beob­ach­tun­gen, wie z. B. ers­te Flug­ver­su­che durch Men­schen oder das ers­te Dampf­schiff auf der Donau, wur­den durch Hau­sie­rer auch in ent­le­ge­ne Orte ver­brei­tet und sorg­ten viel­fach für Ver­un­si­che­rung, sogar Angst in der länd­li­chen Bevöl­ke­rung. So ent­stan­den und ver­brei­te­ten sich nach Mei­nung von Wis­sen­schaft­lern wie Pro­fes­sor R. Hal­ler die Pro­phe­zei­un­gen, die dem Mühl­hi­asl zuge­schrie­ben wurden.

Herr Sutt­ner warn­te in sei­nem Vor­trag vor den gro­ßen Gefah­ren der Pro­phe­tie, auch Hell­se­he­rei oder Wahr­sa­ge­rei genannt. Ins­be­son­de­re nega­tiv behaf­te­te Vor­aus­sa­gen füh­ren oft zu der wis­sen­schaft­lich viel­fach beleg­ten ​‚self ful­fil­ling pro­phe­cy‘ (sich selbst erfül­len­de Pro­phe­zei­ung): Erwie­se­ner­ma­ßen gesun­de Men­schen star­ben an einer Krank­heit, die ihnen vor­her­ge­sagt wur­de, Ehen schei­ter­ten, weil gro­ße Pro­ble­me pro­phe­zeit wurden.

Der Refe­rent regt an, sich statt­des­sen mit der bibli­schen Pro­phe­tie zu beschäf­ti­gen. Die­se will den Unter­gang auf­hal­ten, will, dass Men­schen sich ändern oder ihre (Um-) Welt verbessern.

Die ent­schei­den­de Fra­ge für einen Chris­ten am Ende sei­nes Lebens ist nach Mei­nung des Refe­ren­ten: Was hast du getan? Hast du Nack­te beklei­det, Trau­ri­ge getrös­tet usw. (Mat­thä­us­evan­ge­li­um)?

Herrn Sutt­ner gelang es mit sei­nen per­sön­lich und aus­glei­chend for­mu­lier­ten Dar­le­gun­gen, sei­ne Zuhö­rer zum Nach­den­ken zu bringen.

Der eine oder die ande­re haben mög­li­cher­wei­se eine ande­re Sicht­wei­se auf unheil­ver­kün­den­de Pro­phe­zei­un­gen bekom­men und kön­nen die Mei­nung des Vor­tra­gen­den nach­voll­zie­hen. Die Vor­her­sa­gun­gen des Mühl­hi­asl sind even­tu­ell ein­fach Aus­druck von Ängs­ten und Sor­gen der dama­li­gen Bevöl­ke­rung gewesen.

-Text: Chris­ti­ne Krem­hel­ler, Bild: LM

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