Reicht die Rente noch zum Leben?

Hengersberg Pfarrverband am 27.10.2026

Vortrag mit VdK Geschäftsführer H. Plenk

Das The­ma gesetz­li­che Ren­ten­ver­si­che­rung gilt in der Bevöl­ke­rung oft als ​„wei­tes Feld“ – unüber­sicht­lich, büro­kra­tisch und vol­ler Halb­wis­sen. Der Infor­ma­ti­ons­be­darf ist groß. Aus die­sem Grund lud der Pfarr­ge­mein­de­rat Hen­gers­berg unter Koope­ra­ti­on mit der KEB den bekann­ten Sozi­al­rechts­exper­ten Herrn Hel­mut Ple­nk, Geschäfts­füh­rer des VdK Deg­gen­dorf und Arb­er­land, ein. Zu Beginn sei­nes Vor­tra­ges stell­te der Refe­rent unmiss­ver­ständ­lich klar: ​„Jedes ein­zel­ne Ein­zah­lungs­jahr wird im Lau­fe eines Erwerbs­le­bens in Form von soge­nann­ten Ent­gelt­punk­ten bewer­tet.“ Für die spä­te­re Ren­ten­hö­he ist somit die gesam­te Lebens­ar­beits­leis­tung ent­schei­dend, nicht nur der End­spurt vor dem Ruhestand.

Doch ab wann hat man über­haupt Anspruch auf eine finan­zi­el­le Unter­stüt­zung im Alter? Der Exper­te erläu­ter­te, dass die Regel­al­ters­ren­te an eine Min­dest­ver­si­che­rungs­zeit – die soge­nann­te War­te­zeit – von fünf Jah­ren gekop­pelt ist. Erst wer fünf Jah­re lang Bei­trä­ge in die Ren­ten­kas­se ein­ge­zahlt hat, erwirbt einen grund­le­gen­den Rentenanspruch.

Spe­zi­ell ging Ple­nk auf die ver­schie­de­nen Alters­ren­ten­for­men ein und schlüs­sel­te auf, wel­che spe­zi­fi­schen War­te­zei­ten für wel­che Ren­ten­art zurück­ge­legt wer­den müs­sen. Ein beson­de­res Augen­merk leg­te er dabei auf die Lebens­läu­fe von Frau­en. Da vie­le Müt­ter auf­grund der Kin­der­er­zie­hung nicht unun­ter­bro­chen oder nur in Teil­zeit am Berufs­le­ben teil­neh­men konn­ten bzw. kön­nen, dro­hen im Alter oft erheb­li­che Lücken. Hier grei­fen jedoch wich­ti­ge Schutz­me­cha­nis­men des Gesetz­ge­bers: Die soge­nann­ten Kin­der­er­zie­hungs- und Kin­der­be­rück­sich­ti­gungs­zei­ten wer­den zusätz­lich zu den regu­lär erwor­be­nen Anwart­schaf­ten gewer­tet. Sie sor­gen dafür, dass die für die Gesell­schaft äußerst wert­vol­le geleis­te­te Fami­li­en­zeit die spä­te­re Ren­te spür­bar aufwertet.

Auch wer gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung über­nimmt und Ange­hö­ri­ge zu Hau­se pflegt, wird im Ren­ten­recht belohnt. Unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen kön­nen Pfle­gen­de eige­ne Ren­ten­an­sprü­che erwer­ben. Die Bedin­gung hier­für ist ledig­lich, dass der Pfle­gen­de nicht mehr als 30 Stun­den pro Woche in einem ande­ren, regu­lä­ren Arbeits­ver­hält­nis steht.

Ein beson­ders bren­nen­des The­ma des Abends war die Absi­che­rung im Rah­men eines gering­fü­gi­gen Anstel­lungs­ver­hält­nis­ses (Mini­job). Ple­nk beton­te, wie wert­voll die Anmel­dung bei der Ren­ten­ver­si­che­rung für Mini­job­ber ist. Einem sehr nied­ri­gen eige­nen Bei­trags­an­teil ste­hen hier voll­wer­ti­ge Anwart­schafts­zei­ten gegen­über, die für das Errei­chen von War­te­zei­ten Gold wert sein können.

In die­sem Zusam­men­hang wies der Refe­rent auf eine weit­rei­chen­de gesetz­li­che Neue­rung hin: Wer in der Ver­gan­gen­heit in sei­nem Mini­job von der Bei­trags­zah­lung zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung befreit war und somit kei­ne Bei­trä­ge gezahlt hat, bekommt eine neue Chan­ce. Durch eine gesetz­li­che Ände­rung wird es mög­lich sein, hier aktiv zu wer­den und zurück in die Ver­si­che­rungs­pflicht zu wech­seln. ​„Bit­te las­sen Sie sich in die­sem Fall unbe­dingt indi­vi­du­ell bera­ten“, appel­lier­te Ple­nk ein­dring­lich an das Publi­kum, um kei­ne wert­vol­len Ansprü­che ver­fal­len zu lassen.

Beson­ders emo­tio­nal wird die Debat­te oft beim The­ma des vor­zei­ti­gen Ruhe­stands geführt. Der Refe­rent schlüs­sel­te die har­ten Fak­ten auf: Im All­ge­mei­nen kann jeder, der min­des­tens 35 Jah­re lang ein­ge­zahlt hat – wobei hier auch Kin­der­er­zie­hungs- und Berück­sich­ti­gungs­zei­ten voll mit­zäh­len –, mit Voll­endung des 63. Lebens­jah­res eine Alters­ren­te bezie­hen. Aller­dings, und das beton­te der Exper­te mit Nach­druck, ist die­ser Schritt mit dau­er­haf­ten finan­zi­el­len Abschlä­gen verbunden.

Kom­plett abschlags­frei in den Ruhe­stand zu gehen, ist hin­ge­gen nach 45 Ver­si­che­rungs­jah­ren mög­lich. Doch an die­ser Stel­le räum­te der Sozi­al­rechts­exper­te mit einem wei­te­ren ​„sehr gro­ßen Irr­tum“ auf, der sich hart­nä­ckig in den Köp­fen hält: Vie­le Men­schen glau­ben, dass man nach 45 Arbeits­jah­ren auto­ma­tisch und unab­hän­gig vom Alter sofort in Ren­te gehen darf. ​„Das ist ein fata­ler Fehl­glau­be!“, warn­te Ple­nk. Auch bei 45 Ver­si­che­rungs­jah­ren muss das Ren­ten­ein­tritts­al­ter ganz genau anhand des Geburts­jahr­gangs ermit­telt wer­den. Nie­mand darf allein des­halb mit Mit­te 50 abschlags­frei in Alters­ren­te gehen, weil er früh ange­fan­gen hat zu arbei­ten. ​„Bit­te infor­mie­ren Sie sich hier­zu recht­zei­tig und präzise.“

Ein ech­ter vor­zei­ti­ger Ren­ten­ein­tritt ohne das Errei­chen der regu­lä­ren Alters­gren­zen ist nur unter ganz bestimm­ten, engen Vor­aus­set­zun­gen mög­lich. Das ist zum einen der Fall, wenn die gesund­heit­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für eine Erwerbs­min­de­rungs­ren­te vor­lie­gen – sei es als Voll- oder Teil­ren­te. Ple­nk stell­te jedoch klar, dass es sich hier­bei um ein äußerst umfang­rei­ches und büro­kra­tisch anspruchs­vol­les Prüf­ver­fah­ren han­delt. Zudem ist die Erwerbs­min­de­rungs­ren­te im Regel­fall zunächst als zeit­lich begrenz­tes Ren­ten­an­ge­bot zu betrach­ten, das regel­mä­ßig neu über­prüft wird.

Zum ande­ren bie­tet ein aner­kann­ter Grad der Schwer­be­hin­de­rung von min­des­tens 50 Pro­zent eine Mög­lich­keit, frü­her in den Ruhe­stand zu wech­seln. In die­sem Fall kann die Alters­ren­te mit deut­lich weni­ger Abschlä­gen als bei der regu­lä­ren Ren­te für lang­jäh­rig Ver­si­cher­te bean­tragt werden.

Als Ori­en­tie­rung und wich­ti­ge Infor­ma­ti­ons­quel­le zur Bean­tra­gung der regu­lä­ren Ren­te dient die Ren­ten­mit­tei­lung, die jeder Bür­ger bei der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung anfor­dern kann. Doch Vor­sicht: Häu­fig wird in der per­sön­li­chen Bud­get­pla­nung nicht bedacht, dass auch auf Ren­ten­be­zü­ge Sozi­al­ab­ga­ben (wie Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung) sowie in vie­len Fäl­len Ein­kom­mens­steu­ern anfal­len. Die­se Abzü­ge sind in den dort ange­ge­be­nen Brut­to-Zah­len noch nicht berück­sich­tigt. Am Ende bleibt net­to also weni­ger übrig, als auf dem Papier steht.

Gera­de in solch kom­ple­xen und fol­gen­schwe­ren Fäl­len riet Herr Ple­nk den Zuhö­rern am Ende sei­nes Vor­tra­ges ein­dring­lich dazu, nichts auf eige­ne Faust zu ris­kie­ren. Er emp­fahl, die kom­pe­ten­te Bera­tung und tat­kräf­ti­ge Unter­stüt­zung durch den Sozi­al­ver­band VdK in Anspruch zu neh­men. Das Ren­ten­recht ver­zei­he kei­ne Feh­ler, und Unwis­sen­heit kön­ne zusätz­lich zu den ohne­hin bestehen­den büro­kra­ti­schen Hür­den zu mas­si­ven, lebens­lan­gen wirt­schaft­li­chen Ver­lus­ten füh­ren. Am Ende des Abends gin­gen die Teil­neh­mer mit viel neu­em Wis­sen und dem kla­ren Bewusst­sein nach Hau­se, dass eine recht­zei­ti­ge Vor­sor­ge und Bera­tung der bes­te Schutz vor bösen Über­ra­schun­gen im Alter ist.

Die Bil­dungs­be­auf­trag­te der Pfar­rei Hen­gers­berg, Chris­ti­ne Krem­hel­ler, bedank­te sich beim Refe­ren­ten Hel­mut Ple­nk für den fun­dier­ten, mit vie­len prak­ti­schen Bei­spie­len gespick­ten und kurz­wei­li­gen Vortrag.

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