Führung bei den Werkstätten der Lebenshilfe

Hengersberg Pfarrverband am 24.09.2026

Der Pfarr­ge­mein­de­rat Hen­gers­berg lud in Koope­ra­ti­on mit der Katho­li­schen Erwach­se­nen­bil­dung im Land­kreis Deg­gen­dorf (KEB) zu einer Füh­rung durch die Werk­stät­ten der Lebens­hil­fe Deg­gen­dorf ein, an der auch eini­ge Mit­glie­der des Kol­ping­ver­eins mit ihrem Vor­sit­zen­den Herrn Büg­ler teil­nah­men. 
Wolf­gang Gei­er, sowohl ehren­amt­li­cher Vor­sit­zen­der der Lebens­hil­fe Deg­gen­dorf e. V. als auch der KEB, führ­te auf leben­di­ge Art und Wei­se durch die ver­schie­de­nen Arbeits­be­rei­che für geis­tig behin­der­te Men­schen in den Deg­gen­dor­fer Werk­stät­ten. 
Ins­ge­samt sind bei der Lebens­hil­fe in gut 20 Ein­rich­tun­gen wie den Werk­stät­ten, För­der­stät­ten, Wohn- und Wohn­pfle­ge­hei­men, der St.-Notker-Schule und der Früh­för­der­stel­le rund 1400 Mit­ar­bei­ten­de beschäf­tigt, davon etwa die Hälf­te behin­der­te Men­schen. Beein­druckt waren die Zuhö­rer zu hören, dass der Ver­ein eine Bilanz­sum­me von ca. 50 Mil­lio­nen Euro jähr­lich ver­wal­tet.
In den Werk­stät­ten arbei­ten geistig/​mehrfach behin­der­te Men­schen, die am ers­ten Arbeits­markt gerin­ge bis kei­ne Chan­ce auf Beschäf­ti­gung haben. Die Ein­glie­de­rung in den regu­lä­ren Arbeits­markt ist jedoch durch­aus mög­lich. Aktu­ell arbei­ten zehn Men­schen in soge­nann­ten Außen­ar­beits­plät­zen.
Die besuch­ten Werk­stät­ten in der Max-Pein­ko­fer-Stra­ße sind vor­ran­gig mit der Mon­ta­ge von Tei­len für Fir­men wie Ker­mi (Heiz­kör­per) und Rit­t­al (Schalt­schrän­ke) beschäf­tigt. Dabei müs­sen Qua­li­tät und Preis den Anfor­de­run­gen des ers­ten Arbeits­mark­tes genü­gen, d. h. die Lebens­hil­fe unter­liegt dem Wett­be­werb der frei­en Wirt­schaft.
Die behin­der­ten Men­schen arbei­ten je nach Leis­tungs­ver­mö­gen in ver­schie­de­nen Grup­pen. Es gibt Men­schen, die sehr schnell, kon­zen­triert und aus­dau­ernd arbei­ten kön­nen. Wer mehr Pau­sen und Betreu­ung braucht und nicht zur Ganz­tags­ar­beit in der Lage ist, arbei­tet halb­tags oder mit ver­min­der­tem Anspruch, ganz auf sei­ne Kon­sti­tu­ti­on aus­ge­rich­tet. 
Im Haus befin­den sich ein eige­ner Sozi­al­dienst sowie die Werk­statt­ver­tre­tung, an die sich jeder behin­der­te Mensch bei Pro­ble­men oder Fra­gen wen­den kann. 
Eine eige­ne Groß­kü­che mit moderns­ter Aus­stat­tung ver­sorgt die Ein­rich­tun­gen der Lebens­hil­fe, aber auch exter­ne Gäs­te umlie­gen­der Fir­men, täg­lich mit hoch­wer­ti­gen, gesun­den und schmack­haf­ten Mahl­zei­ten. Auch in der Küche arbei­ten eini­ge behin­der­te Men­schen.
Eine ande­re Abtei­lung arbei­tet krea­tiv und kunst­hand­werk­lich, dort wer­den Gruß­kar­ten, Deko­ar­ti­kel ver­schie­de­ner Art, auch jah­res­zeit­lich wech­selnd, her­ge­stellt. Sie wer­den beim Som­mer­fest und Weih­nachts­markt sowie ganz­jäh­rig im Ver­kaufs­la­den in der Metz­ger­gas­se ver­kauft.
Herr Gei­er erzähl­te, dass die Pan­de­mie für die behin­der­ten Mit­ar­bei­ter eine schwie­ri­ge, schlim­me Zeit war, da sie auf­grund ihrer gesund­heit­li­chen Dis­po­si­ti­on nicht in den Werk­stät­ten arbei­ten durf­ten. Wie gern sie dort arbei­ten und wie sehr ihre Arbeit ihnen Auf­ga­be und Struk­tur gibt, konn­ten die Teil­neh­mer bei der Füh­rung beob­ach­ten und bei Gesprä­chen erfah­ren.
Dass es Bestre­bun­gen in bestimm­ten poli­ti­schen Krei­sen gibt, behin­der­ten Men­schen die — ihnen per Grund­ge­setz und auf­grund der allen glei­cher­ma­ßen zuste­hen­den Men­schen­rech­te — Inklu­si­on zu beschnei­den oder gar abzu­schaf­fen, macht Herrn Gei­er trau­rig und wütend. 
​‚Nicht behin­dert zu sein ist wahr­lich kein Ver­dienst, son­dern ein Geschenk, das jedem von uns jeder­zeit genom­men wer­den kann.‘ Die­se Aus­sa­ge von Richard von Weiz­sä­cker steht auf der Home­page der Lebens­hil­fe Deg­gen­dorf. Zumin­dest das müss­te uns allen doch zu den­ken geben!?
Chris­ti­ne Krem­hel­ler, Bil­dungs­be­auf­trag­te der Pfar­rei Hen­gers­berg, bedank­te sich bei dem Vor­sit­zen­den Herrn Wolf­gang Gei­er für den inter­es­san­ten Nach­mit­tag und den berüh­ren­den Ein­blick in den Arbeits­all­tag behin­der­ter Men­schen.

 

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