Vortrag mit Pater Praveen Kumar Madanu

Hengersberg Pfarrverband am 27.09.2025

Pater Pra­ve­en Kumar Mada­nu lebt seit Juli letz­ten Jah­res in Deutsch­land und ist seit einem Jahr in Hen­gers­berg als Pfarr­vi­kar im Pfarr­ver­band Hen­gers­berg tätig. Zuvor lei­te­te er eine gro­ße Schu­le im Bun­des­staat Telanga­na im süd­li­chen Zen­tral­in­di­en. 
Auf Ein­la­dung des Pfarr­ge­mein­de­ra­tes und der Katho­li­schen Erwach­se­nen­bil­dung im Land­kreis Deg­gen­dorf (KEB) erzähl­te er über sei­ne indi­sche Hei­mat, Kul­tur, Essen, Bil­dung und dem Leben all­ge­mein dort, das Auf­wach­sen im Krei­se sei­ner Fami­lie und sei­nen Wer­de­gang als Pries­ter. 
Pater Pra­ve­en und sein ihn gera­de in Deutsch­land besu­chen­der Freund aus Schul- und Stu­di­en­ta­gen, Pater Tho­mas, der in Rom pro­mo­viert, stimm­ten mit einem Lied und instru­men­ta­ler Beglei­tung auf den Abend ein.
Zunächst gab der Refe­rent einen Über­blick über die poli­ti­sche und geo­gra­phi­sche Lage Indi­ens. 
Der Sub­kon­ti­nent ist in 28 Bun­des­län­der ein­ge­teilt, ähn­lich wie Euro­pa, jedes Land mit eige­ner Regie­rung und eige­ner Spra­che. Da es 22 Amts­spra­chen und vie­le Dia­lek­te gibt, wird schon ab dem Kin­der­gar­ten­al­ter Eng­lisch unter­rich­tet und gespro­chen, so dass sich alle gut unter­ein­an­der ver­stän­di­gen kön­nen. Man zählt etwa 2000 eth­ni­sche Grup­pen. Der weit­aus größ­te Teil der Bevöl­ke­rung (ca. 80 Pro­zent) ist hin­du­is­tisch, außer­dem leben rund 14 Pro­zent Mus­li­me und zwei bis drei Pro­zent Chris­ten in Indi­en. 
Das Chris­ten­tum wird im Nor­den Indi­ens durch­aus noch ver­folgt, da dort über­wie­gend Hin­dus leben. Der Rest der Gläu­bi­gen sind v. a. Sikhs, Bud­dhis­ten und Jai­nis­ten.
Die Bevöl­ke­rungs­zahl beträgt ca. 1,4 Mil­li­ar­den, somit ist Indi­en das bevöl­ke­rungs­reichs­te Land und gleich­zei­tig die größ­te Demo­kra­tie der Welt.
His­to­risch gese­hen zählt die Har­ap­pa-Kul­tur am Fluss Indus (heu­ti­ges Paki­stan und Nord­west­in­di­en), wie Meso­po­ta­mi­en und Ägyp­ten zu den ältes­ten Zivi­li­sa­tio­nen der Welt. Die ers­ten Hoch­kul­tu­ren ent­wi­ckel­ten sich logi­scher­wei­se in war­men Gefil­den und an Flüs­sen, da die häu­fi­gen Über­schwem­mun­gen das Land frucht­bar mach­ten.
Indi­en erlang­te erst 1947 nach 200-jäh­ri­ger Herr­schaft der Bri­ten sei­ne Unab­hän­gig­keit, aller­dings wur­de dabei das Land, für vie­le schmerz­haft bis heu­te, in das über­wie­gend mus­li­mi­sche Paki­stan und das weit­ge­hend hin­du­is­ti­sche Indi­en geteilt. Dies führ­te natür­lich zu vie­len Kon­flik­ten, Migra­ti­on, Gewalt und Leid. 
Heu­te weist Indi­en die fünft­höchs­te Wirt­schafts­leis­tung der Welt auf. Die Inder sind als flei­ßig und klug bekannt und als sehr gut qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te in der gan­zen Welt gefragt, v. a. in den Sek­to­ren IT, Medi­zin und Hand­werk.
In Indi­en gibt es drei Jah­res­zei­ten, die sich jedoch regio­nal unter­schei­den: die hei­ße Jah­res­zeit (Som­mer — März bis Mai/​Juni), die Regen­zeit (Mon­sun, Juni bis Sep­tem­ber) und die küh­le, tro­cke­ne Jah­res­zeit (Win­ter — Okto­ber bis Febru­ar). Pater Pra­ve­en sag­te, dass er in gut einem Jahr prak­tisch kei­nen Regen in Deutsch­land erlebt habe (,in Deutsch­land reg­net es nicht‘), was zu gro­ßem Geläch­ter im Publi­kum führ­te… bei Regen in Indi­en kann man das Haus nicht ver­las­sen und es gibt Hoch­was­ser und gro­ße Über­schwem­mun­gen.
Sehr leb­haft und anschau­lich schil­der­te Pater Pra­ve­en, auch unter Zuhil­fe­nah­me von mit­ge­brach­ten Gegen­stän­den aus sei­ner Hei­mat wie Deko­ge­gen­stän­den, Obst, Gemü­se und Gewür­zen, All­tags­le­ben und Kul­tur in sei­ner Hei­mat. Beson­ders fes­selnd war ein kur­zer Film über die tra­di­tio­nel­len Tän­ze Indi­ens, ein Fest für die Sin­ne mit den auf­wän­di­gen Kos­tü­men und den aus­ge­feil­ten, beson­de­ren Bewe­gun­gen, von denen jede eine eige­ne Bedeu­tung hat.
Herr Franz Has­mei­er, ein guter Ken­ner der indi­schen Spi­ri­tua­li­tät, auch dank sei­ner wie­der­hol­ten Auf­ent­hal­te im Land, schil­der­te sei­ne Sicht über Glau­be und dar­aus fol­gen­de Hal­tung der Inder. Er sieht die star­ke Reli­gio­si­tät (jeder Inder glaubt an Gott, natür­lich in sei­ner Reli­gi­ons­ge­mein­schaft, führ­te Herr Has­mei­er aus) als Grund­la­ge für das funk­tio­nie­ren­de Zusam­men­le­ben in die­sem rie­si­gen Land. Auch das immer noch prak­ti­zier­te Kas­ten­sys­tem, obwohl offi­zi­ell abge­schafft und ver­bo­ten, sieht die Regie­rung nach Ein­schät­zung Herrn Has­mei­ers gar nicht mal so ungern, da es inner­halb der Soli­dar­ge­mein­schaft der jewei­li­gen Kas­te durch­aus für Unter­stüt­zung und Ord­nung sorgt. Indi­en wird sei­ner Ansicht nach Ende die­ses Jahr­hun­derts die füh­ren­de Nati­on der Welt sein.
Chris­ti­ne Krem­hel­ler, Bil­dungs­be­auf­trag­te der Pfar­rei Hen­gers­berg, bedank­te sich beim Haupt­re­fe­ren­ten des Abends, Pater Pra­ve­en Mada­nu, für den kurz­wei­li­gen, fes­seln­den und infor­ma­ti­ven Ein­blick in die­ses rie­si­ge, beein­dru­cken­de Land, wie auch bei Herrn Has­mei­er für sei­ne zum Nach­den­ken anre­gen­den Aus­füh­run­gen. 
Die bei­na­he hun­dert Zuhö­rer applau­dier­ten begeis­tert und spen­de­ten sehr groß­zü­gig für Pater Pra­ve­ens sozia­le Pro­jek­te in Indi­en, die ins­be­son­de­re Kin­dern zugu­te kommen. 

Text: Chris­ti­ne Krem­hel­ler, Bil­dungs­be­auf­trag­te der Pfar­rei Hen­gers­berg 
Fotos: Chris­ti­ne Krem­hel­ler, San­dra Landauer

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