Haus ANNA in Eichendorf - Entlastung im Alltag für Familien mit schwersterkrankten Kindern.

Hengersberg Pfarrverband am 21.06.2026

Auf Ein­la­dung des Pfarr­ge­mein­de­rats Hen­gers­berg in Koope­ra­ti­on mit der Katho­li­schen Erwach­se­nen­bil­dung (KEB) im Land­kreis Deg­gen­dorf stell­te Frau Astrid Kant­ner, Lei­tung Öffent­lich­keits­ar­beit & Fund­rai­sing, das seit Sep­tem­ber 2023 bestehen­de Haus ANNA in Eichen­dorf vor.

Das Haus wird durch die Stif­tung Ambu­lan­tes Kin­der­hos­piz Mün­chen (AKM) betrie­ben. Die Stif­tung wur­de 2004 von Frau Chris­ti­ne Bron­ner gegrün­det. Die Grün­de­rin stell­te auf­grund per­sön­li­cher Betrof­fen­heit schmerz­lich fest, dass es wenig bis gar kei­ne Unter­stüt­zung für Fami­li­en mit schwers­ter­krank­ten Unge­bo­re­nen, Neu­ge­bo­re­nen, Klein­kin­dern, Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen über die rein medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung hin­aus gab. Die­ses Defi­zit will die AKM aus­glei­chen mit dem Ziel der Unter­stüt­zung im All­tag, der För­de­rung der gesell­schaft­li­chen Teil­ha­be sowie der Ver­net­zung im sozia­len Umfeld. Im Fokus steht immer die gesam­te Fami­lie. Die unschätz­bar wich­ti­ge Auf­ga­be über­neh­men inner­halb der Stif­tung rund 300 Ehren­amt­li­che sowie 150 Haupt­amt­li­che, vie­le auch in Teil­zeit. Die Arbeit der Stif­tung muss zu mehr als 60 Pro­zent spen­den­fi­nan­ziert erfol­gen. Das ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung, dar­um ist die Refe­ren­tin häu­fig auf Spen­den­aqui­se bei Ver­ei­nen oder Fir­men unter­wegs und stellt die wert­vol­le Leis­tung des AKM ger­ne inter­es­sier­ten Zuhö­rern vor. 

Mitt­ler­wei­le gibt es zusätz­lich zum Sitz in Mün­chen drei Zen­tren in Bay­ern, um die Betreu­ung der Fami­li­en wohn­ort­nä­her zu ermög­li­chen. Das Haus in Eichen­dorf ergänzt die bestehen­de ambu­lan­te Ver­sor­gung mit einem teil­sta­tio­nä­ren Ange­bot zur Tages‑, Nacht- und Wochen­end­be­treu­ung. Nach der indi­vi­du­el­len Ein­ge­wöh­nungs­pha­se wer­den die Gäs­te (so wer­den die Kin­der genannt, nicht Pati­en­ten) ohne dau­ern­de Anwe­sen­heit der Ange­hö­ri­gen ver­sorgt. Somit besteht die Mög­lich­keit für die Fami­li­en, Kraft zu tan­ken, Zeit für sich zu haben, sich zu rege­ne­rie­ren und viel­fäl­ti­ge Unter­stüt­zung durch das mul­ti­pro­fes­sio­nel­le Team zu erhal­ten. Auch wenn der häus­li­che Pfle­ge­dienst aus­fällt, kann das Haus ANNA einspringen.

Frau Kant­ner ist nicht so glück­lich mit dem Begriff ​‚Hos­piz’. Sie betont, dass die Gäs­te nicht zum Ster­ben kom­men, son­dern sie und ihre Fami­li­en wer­den beglei­tet. Bis heu­te ist im Haus ANNA noch kein Gast ver­stor­ben, obwohl ein Abschieds­raum vor­ge­hal­ten wird. Die Ein­rich­tung des Hau­ses ist auf die Bedürf­nis­se der Bewoh­ner von 0 bis 27 Jah­ren zuge­schnit­ten, hell, freund­lich und anspre­chend. Allein die Innen­ein­rich­tung kos­te­te ca. zwei­ein­halb Mil­lio­nen Euro. Es ste­hen acht Zim­mer für die Gäs­te sowie zwei Fami­li­en­ap­par­te­ments bereit. Letz­te­re wer­den genutzt bei der Ein­ge­wöh­nung der Kin­der, nach einer OP, wäh­rend des lau­fen­den Umbaus bei der Fami­lie zuhau­se oder auch des bevor­ste­hen­den Abschieds.

Frau Kant­ner erzählt, dass im Haus ANNA auch viel gelacht wird. Es wird gespielt, mit den Bewoh­nern des benach­bar­ten Senio­ren­heims gesun­gen, Musik gemacht und vie­les mehr. Den Gäs­ten wer­den indi­vi­du­el­le Wün­sche mach Mög­lich­keit erfüllt, auch Her­zens­wün­sche wie zum Bei­spiel ein Tref­fen mit einem Fuß­bal­ler des FC Bay­ern Mün­chen. Und wenn ein Kind nachts um drei einen Pfann­ku­chen möch­te, dann bäckt eine Mit­ar­bei­te­rin diesen. 

Gro­ße Unter­stüt­zung erfah­ren Fami­li­en auch in der Sor­ge um Geschwis­ter­kin­der. Für die­se bleibt oft­mals wegen ihrer schwer­kran­ken Geschwis­ter kaum Zeit. Aus die­sem Grund gehö­ren Aktio­nen und Unter­neh­mun­gen, aber auch Gesprä­che und Zuwen­dung zum fes­ten Bestand­teil der viel­fäl­ti­gen Ange­bo­te des AKM. Die Beglei­tung einer Fami­lie ver­an­schlagt die Refe­ren­tin mit Kos­ten von ca. 6500 Euro pro Jahr – welch eine mode­ra­te Sum­me für eine der­ma­ßen segens­rei­che Hilfe. 

Fotos und ein Video des Hau­ses gaben einen schö­nen Ein­blick, wie hell, luf­tig und alters­ge­recht den Bedürf­nis­sen der Gäs­te nach­ge­kom­men wird. Die Zuhö­rer zeig­ten sich sehr bewegt und ver­spra­chen, ihre Ein­drü­cke der unend­lich wert­vol­len Arbeit als Mul­ti­pli­ka­to­ren wei­ter­zu­ge­ben. War­um nicht einen run­den Geburts­tag, eine Ver­an­stal­tung oder Fei­er zum Anlass neh­men, die Stif­tung mit einer Spen­de zu beden­ken? Statt Krän­zen oder Geste­cken am Grab um Spen­den bitten? 

Die Refe­ren­tin bat die Zuhö­rer bewusst nicht um Geld, son­dern, die Stif­tung und das Haus ANNA bekannt­zu­ma­chen. Auch gut zu wis­sen, Betrof­fe­ne kön­nen bei aku­ten Fäl­len den ​„Ruf 24“ rund um die Uhr nut­zen. Dort wird von geschul­ten Kräf­ten ver­sucht, die Fami­lie zu sta­bi­li­sie­ren und ers­te Unter­stüt­zung anzubieten.

Beein­druckt und trotz des The­mas posi­tiv gestimmt bedank­te sich die Bil­dungs­be­auf­trag­te der Pfar­rei Hen­gers­berg, Chris­ti­ne Krem­hel­ler, mit einem Glas ​‚KEB-Honig‘ bei Astrid Kantner.

Text: Chris­ti­ne Krem­hel­ler
Foto: Josef Kremheller

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